Gröschner, Mädler, Seemann - Drei Ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat
Für mich als geborener Wessi ist Ostdeutschland ja schon ein bisschen Klischee. Auch oder gerade weil ich dort häufiger auf Besuch bei der Verwandtschaft bin oder war.
Für mich steht fest: es gibt eine andere Prägung, gerade bei Frauen meiner Generation - ich war bei der Wende 6 Jahre alt... Auch wenn man den real existierenden Sozialismus nicht am eigenen Leibe gespürt hat, dennoch haben die Eltern für ihre Rechte gekämpft, wurden vielleicht enttäuscht und das hat man dann selbst mitbekommen.
Annett, Peggy und Wenke sind Kinder meiner Generation - und sie treffen sich regelmäßig, um mit viel Humor über eben genau dieses "anders sein" zu reden... Und daraus wurde dieses Buch.
Drei Ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat
Daten
Autorinnen: Annett Gröschner, Peggy Mädler, Wenke Seemann
Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-77582-8
Preis: 14€
Taschenbuch, 320 Seiten
Inhalt
Regelmäßig treffen sich Annett, Peggy und Wenke haben die DDR zu ihren Schulzeiten noch erlebt. Heute treffen sie sich und diskutieren die gängigen gesellschaftlichen Klischees. Was etwa ist eine "Ostfrau"? Eine Rabenmutter oder eine Emanzipierte Arbeiterin?
Gemeinsam entwerfen sie dabei in 7 Nächten gemeinsam eine Utopie - ein idealer Staat, in dem sich die positiven Errungenschaften der DDR und der BRD miteinander vereinen lassen.
Begleitet durch eine witzige Bilderstrecke, die sogar mit alten DDR Kameras aufgenommen wurde, entstand eine ganz besondere und humorvolle Gesellschaftsanalyse.
Fazit
Drei Frauen analysieren gängige Klischees zwischen Ostdeutschland und der BRD - und betrinken sich dabei. So könnte man das Ganze zusammenfassen. Humorvoll und gleichzeitig kritisch setzten sie sich in einem Trialog damit auseinander, dass in der DDR nicht alles schlimm war und dass es durchaus möglich ist, Ossis und Wessis in ein Boot zu holen.
Denn sind wir mal ehrlich: die tiefen Gräben zwischen Ost und West sind heute tiefer als jemals zuvor. Was die drei aber schaffen, ist genau diese Gräben aus Klischee und Enttäuschung zu überwinden. Das machen sie in einer Kombination aus nostalgischen Anekdoten ohne dabei in "Trauer" über den Verlust zu verfallen.
Katalysiert durch den Alkohol gelingt dabei eine unglaublich treffende Analyse der Gesellschaft und es entsteht eine Art Anleitung, wie wir doch noch irgendwie "EINE" Gesellschaft werden.
Von mir klare 5 Sterne.

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