Marlene Borchardt & Nora Burgard-Arp: Essen und Essen lassen


Essen ist ja ein spannendes Thema... Von "Auf keinen Fall Fleisch" bis zu "Ich lasse mir mein Schnitzel nicht nehmen" finde ich in meinem Umfeld so ziemlich alles... 

Doch sind wir mal ehrlich: So richtig MEINEN Weg habe ich da noch nicht gefunden. Ich bin ja mehr so bei "Die Dosis ist das Problem".

Marlene Borchardt und Nora Burgard-Arp haben hier einen spannenden Ansatz gefunden - und stellen ihn in diesem Buch vor...


Essen und Essen lassen

Daten

Autorinnen: Marlene Borchardt & Nora Burgard-Arp
Verlag: Kösel
ISBN: 978-3-466-37357-4
Preis: 20€
Broschiert, 208 Seiten


Inhalt

Heute gibt es Food Experten von allen Seiten. Im Social Media posten Influencer nicht nur "What I eat in a Day" Videos, es gibt auch immer mehr Firmen, die von dieser ganz speziellen Form von Selbstoptimierung leben. Man rührt sich Pülverchen an, weil sie versprechen, dass man so schnell an Gewicht verliert. Und nur wer Gewicht verliert, darf im Social Media dazugehören. Oder man bekommt vermittelt, dass man nur zu Bayern gehört, wenn man täglich massenhaft Fleisch in sich hineinstopft. 

Essen bekommt so immer mehr Bedeutung zugeschoben, die es eigentlich gar nicht hat. Wer isst, kann dazugehören. Mehr und mehr wird über die Ernährungsform Druck ausgeübt.

Was wir in diesem Wust aus Glaubenssätzen verlernen, ist dass Essen auch einfach mit Genuss verbunden ist und einen einfachen Selbstzweck hat.



Fazit

Essen gehört zu unserem Leben dazu. Gleichzeitig gibt es heute mehr magersüchtige Teenies als jemals zuvor. Und der Grund dafür ist ganz einfach: Man wird tagtäglich von selbsternannten Ernährungsexperten umgarnt, die einem Pülverchen als Nahrungsersatz verkaufen wollen oder noch schlimmer: Die einfach gar keine Ahnung haben. Influencer verkaufen einem gleichzeitig: Nur schlank gibt Klicks... 

Noch nie zuvor wussten wir so viel über das Essen, über Transportwege und CO2 Abdruck, über Gesundheit und andere Problematik. Gleichzeitig waren aber auch noch nie so viele Menschen krank aufgrund des Essens. Und noch nie habe ich so viele Eltern in Panik erlebt, weil das Apfelmus in der Kita einen Zuckerzusatz hatte.

Essen und Essen lassen ist mehr als ein klassischer Ernährungsratgeber. Die beiden Autorinnen sagen uns nicht, was wir essen sollen. Sie plädieren viel mehr für einen gelasseneren Umgang. Denn nicht alles funktioniert für jeden.

In 8 Kapiteln analysieren die beiden Autorinnen, wie wir heute über Essen reden, welche gesellschaftliche Bedeutung wir dem Ganzen heute beimessen und sich Essen gerade durch die sozialen Medien immer mehr ideologisiert. Hat eine prominente Frau mal ein paar Pfund mehr, fühlt sich die Gesellschaft beispielsweise gleich bemüßigt, das zu kommentieren. 

Mir gefällt besonders, dass die beiden erfahrenen Journalistinnen analysieren ohne zu bewerten - für mich ist das Buch ein absolutes Kunststück. Sie versuchen eben die Glaubenssätze, die sich bei uns festgesetzt haben, zu entzerren, sie zeigen, wo sie herkommen und was so problematisch daran ist. Sie sind dabei aber auch wissenschaftlich absolut fundiert...

Ich habs an meine 13jährige Nichte weitergegeben (die es übrigens ganz interessiert gleich gelesen hat).


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